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Innovation

Agilität als Sprungbrett: Unsere Arbeitsweise

René Setschi René Setschi, 16. 12. 2020

Agilität. Ein Schlagwort welches heute in der Unternehmenswelt kaum mehr wegzudenken ist. Im Grunde genommen bedeutet Agilität so viel wie Flexibilität und Schnelligkeit. Doch was bedeutet es eigentlich genau nach agilem Vorgehen und agilen Methoden zu arbeiten?

 

Durch die Globalisierung und die Digitalisierung, sowie der jüngsten «Home-Office Ära», stehen Unternehmen heute vor der Herausforderung schneller auf Veränderungen jeglicher Art reagieren zu müssen. Tatsache ist, dass sich klassische Organisationsstrukturen dafür nicht wirklich eignen. Denn, während klassische Organisationsstrukturen eher als Mischformen zwischen prozess- oder projektorientierten Strukturen agieren und in Hierarchien und Silos denken, ist die agile Organisation geprägt von Netzwerkstrukturen und einer totalen Kundenausrichtung. Um auf Kundenwünsche flexibel zu reagieren und sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, liegt der Fokus der agilen Organisation auf einer teambasierten und wertschöpfenden Ablauforganisation.

 

Speziell in Unternehmen im Bereich der Software Entwicklung, wie die Base-Net Education AG, hat die Anwendung von agilen Methoden bereits seit geraumer Zeit Einzug gehalten. Der kleinste gemeinsame Nenner aller agilen Methoden, Praktiken und Vorgehensmodellen ist das agile Manifest. Es entstand im Februar 2001 durch ein paar Personen, die sich ursprünglich in den Bergen von Utah, USA, zum Skifahren treffen wollten. Unter den Autoren und den 17 Erstunterzeichnenden befinden sich zum Beispiel auch die Begründer des Extreme Programming oder dem Vorgehensmodell Scrum. Das agile Manifest enthält vier Leitsätze und 14 Prinzipien. Diese richten sich vor allem danach, wie die Transparenz und die Kadenz in der Softwareentwicklung gesteigert und die Risiken und Fehler im Ablauf minimiert werden können. Schliesslich soll die Kundenzufriedenheit durch die Auslieferung von schrittweise verbesserter Software in kurzen regelmässigen Abständen maximiert werden. Um dies zu erreichen setzt man auf selbstorganisierte Teams und eine iterative Vorgehensweise.

 

Für viele Akteure aus dem Bildungsumfeld ist die agile Arbeitsweise nach Scrum noch Neuland. Mit diesem Artikel wollen wir Ihnen den Begriff Agilität in der Software-Entwicklung näherbringen und Ihnen aufzeigen, wie wir arbeiten. Wer weiss, vielleicht können Sie einige Konzepte auch im Alltag im Bildungswesen aufnehmen.

 

Vom Wasserfall zu noch mehr Bewegung

Die Agilität ist der nächste evolutionäre Schritt zu einer modernen Arbeitsweise in der Software-Entwicklung. Anders als bei bisherigen Modellen, soll bei der agilen Entwicklung möglichst früh mit dem Entwicklungsprozess und dem Schreiben von Code begonnen werden. Die Entwurfsphase wird so auf ein Mindestmass reduziert, wodurch hohe Vorkosten in einem Projekt vermieden werden. Die Kunden sollen in kurzen regelmässigen Abständen mit neuen Software-Funktionalitäten beliefert werden. Sie erlauben es ihm bereits im frühen Stadium, die Software zu nutzen und daraus Wert zu generieren. Zusätzlich helfen Feedbackschleifen nach jedem ausgelieferten Inkrement die Kundenwünsche für die nächste Iteration zu berücksichtigen.

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Bildquelle: https://medium.com/@valerii.sukhov/mvp-c0dd8db086c2

Agilität bedeutet also auf keinen Fall unstrukturiert und unorganisiert -die Planung und das Commitment beziehen sich lediglich auf einen kürzeren Zeitraum. Dies wiederum erlaubt es Entwicklungsteams, flexibel und schnell auf sich ändernde Begebenheiten zu reagieren.

Die Agilität bietet zahlreiche unterschiedliche Praktiken und Frameworks, welche in Kombination und je nach Bedürfnissen einer Unternehmung flexibel angewendet werden können. Werte und Prinzipien jedoch sollten einher gehen mit der Vision und Strategie einer Unternehmung. Nur so kann Agilität durch die ganze Unternehmungskultur und durch das entsprechende Mindset aller Beteiligten richtig gelebt werden und ihre Wirkung auch im Sinne der Erfinder entfalten.

Agilität bei Base-Net Education

In der Base-Net Education AG arbeiten wir für die Weiterentwicklung unserer Schulmanagementsoftware «educase» nach dem Vorgehensmodell Scrum. In der Rolle als Product Owner bin ich sozusagen Herrscher über den Product-Backlog ;-). Jede Kundenanforderung, welche wir umsetzen, landet in Form eines Product Backlog Items im Backlog und wird anschliessend durch mich entsprechend priorisiert. Dabei arbeite ich eng zusammen mit unseren Business Analysten und Projektleitern, um sicher zu stellen, dass die Kundenanforderungen für das jeweils anstehenden Produktinkrement richtig abgedeckt sind. Die Entwicklung arbeitet die Items in zweiwöchigen Sprints ab und integriert die Änderungen und Funktionalitäten laufend auf unserem Entwicklungssystem. Dabei tausche ich mich täglich mit den Entwicklungsteam aus, um die Entwicklungsarbeiten zu koordinieren, Fragen zu klären und Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. Nach jeweils fünf Sprints sind die Entwicklungsarbeiten für das neue Produktinkrement abgeschlossen. Wenn alle Akzeptanzkriterien und Akzeptanztests erfolgreich erfüllt sind, wird das neue Produktinkrement in Form eines neuen Release-Pakets für die Installation auf den Kundensystemen freigegeben. Der Release steht und ist für unsere Kunden sichtbar.

 

Doch damit nicht genug. Agilität muss weiter reichen als nur bis zur Entwicklung und kontinuierlichen Integration von neuen Software-Funktionalitäten. Da stösst das Modell an seine Grenzen. Denn mit dem stetigen Wandel der Technologie und den immer schneller werdenden Erneuerungszyklen steigen auch die Erwartungshaltungen. Es ist unser Anspruch, die Software nicht nur agil zu entwickeln, sondern diese auch schneller, effizienter, automatisiert und in bestmöglicher Qualität kontinuierlich ausliefern zu können.

 

Die Antwort auf diese Herausforderung lautet DevOps – der nächste evolutionäre Schritt der modernen und agilen Arbeitsweise. DevOps verfolgt die Philosophie eines ganzheitlichen Prozessverbesserungs-Ansatzes und enthält mehrere Aspekte aus der agilen Methodik. DevOps soll dafür sorgen, dass Entwicklung und IT Operations in ihren Themen kulturell näher zusammenrücken und der Kreis der Zusammenarbeit geschlossen wird:

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Bildquelle: https://neonrocket.medium.com/devops-is-a-culture-not-a-role-be1bed149b0

Auch bei Base-Net Education befinden wir uns mitten in der DevOps Transformation. Unter anderem befähigen wir unsere Teams zu mehr Verantwortung, automatisieren und optimieren unsere Deployment Pipeline inklusive der Integration von automatisierten Tests und gestalten unsere Prozesse nach dem Lean Prinzip, um Verschwendungen in der Wertschöpfungskette zu eliminieren. Zudem wollen wir unsere Tools, Infrastruktur und Architektur besser aufeinander abstimmen, um durch Monitoring und das Sammeln von Daten proaktiv auf auftretende Fehler zu reagieren. Als Team wollen wir eine transparente Zusammenarbeitskultur aufrecht erhalten in dem wir Veränderungen annehmen, Feedbacks pflegen und durch psychologische Sicherheit in der Lage sind, grossartiges zu leisten.

 

Wir haben also noch viel vor und einen spannenden Weg vor uns, denn genau wie lebenslanges Lernen ist Agilität oder auch DevOps kein Zielzustand, sondern ein nie endender Prozess der kontinuierlichen Verbesserung.

René Setschi
René Setschi
Product Owner